Reisebericht von Bertl Straubinger Eine Runde Adria mit einem UL Dynamic WT-9 - mit diesem Gedanken ging ich schon seit längerer Zeit schwanger. Als dann gute Wetterbedingungen und verfügbare Zeit eine Koalition schlossen, startete ich sofort in Kapfenberg. Am ersten Tag nahm ich bei blitzblauem Himmel Kurs auf Zadar - aber nicht lange. Starke Niederfälle über Slowenien ließen mich schon nach einer Stunde wieder Richtung Heimat abdrehen. Am nächsten Tag dann tutto perfetto - in 2 Stunden erreichte ich Zadar, tankte Avgas und Kaffee.
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Ein Freudenfest für die Augen: Korcula von oben und Dubrovnik auf Augenhöhe. In der historischen Altstadt, die eher an Venedig erinnert als an Zagreb, prosteten wir auf den gelungenen Flugtag mit einer Flasche Cabernet Sauvignon zur Grillplatte an.Am nächsten Tag legte ich bei strahlendem Wetter die Schwimmweste an; die Adria-Überquerung stand am Flugplan. Den Passagieren der Costa Sinfonia verschaffte ich noch einen freundlichen "Kamikaze-Angriff", der allerdings mit freudigem Winken quittiert wurde. Nach einer schwachen Stunde die sanfte Landung auf der Piste von Brindisi. Problemlose Zollformalitäten (Kroatien - die EU wartet auf dich!) | Vor dem Weiterflug nach Avios Franca in Kalabrien.Dort, am höchstgelegenen Flugplatz Italiens (1500 m über Meeresspiegel), hatte die WT-9 "Pia" Lungenprobleme. Auch für einen Stratosphärenkreuzer (die WT-9 schafft 15 000 Fuß) kann die Luft manchmal ganz schön dünn werden.Wer hätte das erwartet - mitten in Kalabrien ein Schigebiet incl. Lift und 2Meter Schnee - letzteren natürlich nur im Winter. Eine königliche Idee der örtlichen Hotellerie: man vermietet gepflegte, kleine Villen, dazwischen eingestreut zahlreiche Restaurants, Vinotheken, Delikatessenläden. | |  | Dort holte ich mir auch die destillierte Belohnung für die 3 Landeversuche, die dank der starken Böen erforderlich waren. Riesenglück beim letzten Anlauf - der starke Wind drehte um 180 Grad und drückte mich beim Durchstarten knapp über die Wipfel der Bäume am Rande der Piste. Etliche Einheimische keuchten den Hügel zur Landepiste hinauf und waren dann doch etwas von den Socken, als sie nur einen Flieger statt der erwarteten Armada sahen. Die längste Etappe am 05.05.2008 führt uns über die Inseln Vulcano,Stromboli, Capri und Ischia, östlich an Rom (im starken Regen) vorbei bis zur Insel Elba. Ein Ruhetag zum relaxen und baden im kalten Meer und viel wärmeren Pool, danach am späten Nachmittag mit einem Leihwagen eine Rundfahrt auf der Insel. | Auftanken mit Sprit, den man aus dem Tal heranschaffte - Sicilia, wir kommen! Das sollte jeder Flieger erleben können - den fauchenden Äthna beim Überfliegen. Achtung: nicht direkt über das Zentrum des Kraters fliegen, mahnte mich der Controller vom Tower Catania. Tatsächlich: zwei Tage später spie der Vulkan seine Innereien in die Luft. Nach dem Einblick in das Höllenfeuer, wartete das Paradies auf mich. Inmitten von Orangen- und Zitronenhainen nicht nur die Landepiste, sondern auch ein großer Swimming pool, kleine exquisite Villen, eine Kakteenzucht und eine großartige Meeresküche. Die ganze Pracht zu einem ausgesprochen vernünftigen Preis.
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| Nach dem dolce-far-niente der anstrengendste Teil der Reise. Die längste Etappe führte von Sizilien über die Insel Vulcano und den Stromboli nach Capri, Ischia und an Rom vorbei zur Insel Elba. Ein feindseliger Controller dirigierte mich ins Landesinnere und den strömenden Regen, währende entlang der Küste die Sonne strahlte. Schwamm drüber, beim Abendessen in Marina die Campo ließ mich die Erinnerung an den nachmittäglichen Funkverkehr in schallendes Gelächter ausbrechen. Wie meinte doch der Controller in Rom: "OE-7077. Do you have wings or are you an helicopter?" Die Sonne Elbas verführte zu einem längeren Aufenthalt als geplant. Mit dem Leihwagen erforschte ich die blühende Insel und ihre kulinarischen Schätze. Erst nach 3 Tagen klemmte ich mich wieder hinter den Steuerknüppel. Pisa, Firenze, Bologna, Chioggia, Venezia - Weltkulturerbe aus der Vogelperspektive. Vom Lido di Venezia, wo ich landete, ging's sofort ins Zentrum der Lagunenstadt. Großartige Abendstimmung ohne störende Touristenmassen. Nichts Negatives ohne einen positiven Aspekt: der Benzinmangel am Lido erzwang eine tanktouristische Aktion. In Portorosz gab es die gewünschte Nahrung für die WT-9, für den Piloten eine fabelhafte Fischplatte. Am Nachmittag dann Aufbruch zur letzten Etappe nach Kapfenberg. Nach 90 Minuten die vertraute Stimme des Betriebsleiters: "Hallo Bertl. Schön, dass du wieder daheim bist!" Ein schönes Gefühl nach 3900 Kilometern und 17 Stunden an Bord der äußerst verlässlichen WT-9.
| Gesamtflugzeit: 17 h 20 min. Distanz: ca. 3.900 km Routen: Kapfenberg - Zadar (Kroatien) 2:12 Zadar - Dubrovnik (Kroatien) 1:55 Dubrovnik - Brindisi (Kalabrien/Italien) 1:15 Brindisi - Avios Franca (Kalabrien/Italien) 1:16 Avios Franca - Paterno (Sizilien/Italien) 1:30 Paterno - Scalea (Kalabrien/Italien) 1:42 Scalea - Elba (Toscana/Italien) 3:31 Elba - Venedig Lido (Veneto/Italien) 1:49 Venedig - Portorosz 0:40 Portorosz - Kapfenberg 1:30
Flugzeug: Dynamic WT-9 Kennung: OE-7077 Piloten: Engelbert Straubinger und Engelbert Reihs | | | | |